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	<title>Allgemein Archive - stepout.at</title>
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	<title>Allgemein Archive - stepout.at</title>
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		<title>Kraftlos für die schönen Künste?</title>
		<link>https://www.stepout.at/kraftlos-fuer-die-schoenen-kuenste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Haitszinger Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2025 09:26:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Letzte Szene. Die letzten Worte aus Das weite Land von Arthur Schnitzler sind gesprochen. Das Licht in der Josefstadt erlischt. Natürlich ist hier das Theater in der Josefstadt gemeint &#8211; wir Wiener sagen halt gerne einfach Die Josefstadt zum Theater. Bleiben wir also bitte dabei. Es ist finster in der Josefstadt. Stockdunkel. Sekundenlang wagt niemand, [&#8230;]</p>
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<p class="has-medium-font-size">Letzte Szene. Die letzten Worte aus <em>Das weite Land</em> von Arthur Schnitzler sind gesprochen. Das Licht in der Josefstadt erlischt. Natürlich ist hier das <em>Theater in der Josefstadt</em> gemeint &#8211; wir Wiener sagen halt gerne einfach <em>Die Josefstadt </em>zum Theater. Bleiben wir also bitte dabei. Es ist finster in der Josefstadt. Stockdunkel. Sekundenlang wagt niemand, zu klatschen. Im hinteren Teil der Bühne sieht man einige nervöse Schatten, die gerne schon nach vorne huschen würden. Hin zur Bühnenkante, um sich den wohlverdienten Applaus abzuholen. Um vielleicht zwei- oder dreimal von der Bühne abzugehen und danach wieder zu erscheinen, um sich dem Restbeifall hinzugeben. Sich mehrmals zu verbeugen und sich dann schweißnass aber zufrieden in die Schauspielerkantine zurückzuziehen. Ganz langsam und leise beginnt ein Mutiger zu klatschen. Zärtlich und zurückhaltend hebt sich der Applaus an und erweckt kurz die Vermutung in uns, dass sich dieser in gewohnter Manier bald zu einem tosenden Gewitterbeifall aufschwingen wird. Meine Frau und ich, sitzend in unserer kleinen Loge im zweiten Rang, klatschen stärker. Heftiger. Wir wollen animieren. Stimulieren. Wollen die Leute dort unten motivieren, uns doch endlich in gleicher Heftigkeit zu folgen. Rasch spüren wir, dass da wohl nichts Großartiges mehr kommt. Der Applaus im Parterre bleibt ein schwaches Irgendwas. <em>&#8222;Kraftlos&#8220;</em> fällt meiner Frau dazu ein und sie weist mich auf den weiß-grauen Schleier hin, der über dem sichtlich betagten Publikum im Zuschauerraum liegt und einen doch eher hohen Altersdurchschnitt nahelegt. <em>&#8222;Die Leute haben keine Kraft mehr zum Klatschen&#8220;,</em> meint meine Frau und ich komme ins Grübeln. Wer wird diese Reihen wohl nach dieser Generation besetzen? Wir, die Mid-Fünfziger, sind &#8211; wenn ich mich hier im Theater umsehe &#8211; eher spärlich vertreten. Von den Jungen ganz zu schweigen. Jetzt könnte man meinen, dass die Josefstadt samt ihres Spielplanes nicht dazu ausgelegt ist, Junge anzusprechen. Mitnichten. Ich blättere im Programmheft zur aktuellen Spielzeit und finde eine bunte Mischung großer Theaterkunst. Von Sartre über Bernhard bis hin zu Mitterer spannt sich der Angebotsbogen und die Inhaltsabrisse zu den Stücken lassen Kurzweil und Abwechslung vermuten. Zudem versuchen sich Theatermachende seit langem schon in der Kunst der optischen und inhaltlichen Verjüngung &#8211; selbst wenn es um Klassiker geht, die ich persönlich zwar hin und wieder gerne auch mal in ihrer unaufgemascherlten Ursprungsform erlebe, aber ich verwehre mich nicht gegen das Moderne. Schon gar nicht wenn es damit gelingen könnte, junge Menschen für das Theater zu begeistern. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer leisten hier ebenfalls gute Arbeit und vergattern ihre Klassen zum geschlossenen Theaterbesuch. Ziel sollte sein, dass ein paar von der Leidenschaft für diese Kunstform und für Literatur im Allgemeinen erfasst werden. Für alle anderen sind es zumindest ein paar Stunden ohne Social-Media und Smartphone.</p>



<p class="has-medium-font-size">Neben der Jugend muss es freilich auch gelingen, Menschen aus anderen Kulturkreisen und Herkunftsländern für das heimische Theater zu gewinnen. Zu begeistern. Für Kunst- und Kulturschaffende handelt es sich zudem auch um eine äußerst interessante Zielguppe, hat doch immerhin fast die Hälfte aller Menschen, die in Wien leben, einen sogenannten Migrationshintergrund. Sie und die Jugend ins Theater zu kriegen, wird also in den nächsten Jahren ein klares Ziel sein, will man wirtschaftlich überleben. Freilich sehen derartige Attraktivierungskonzepte ein wenig anders aus als die bisherigen. Günstige Jugentickets und Abo-Packages sowie ein buntes und abwechslungsreiches Programm gibt es ja jetzt schon zur Genüge. Was also tun?</p>



<p></p>



<p class="has-medium-font-size">Wer Märkte erobern will, sollte diese auch befragen. Ganz gezielt. Und am besten dort, wo sie sich aufhalten. Was wollt ihr sehen? Wann und wo sollte das am besten stattfinden? Wie ist Theater für euch? Was bedeuten Kunst und Kultur insgesamt? Für euer Leben und unser gemeinsames? Wenn die Menschen nicht zum Theater kommen, dann muss das Theater zu den Menschen kommen. Mir kommen da schauspielerische Kostenproben an Schulen, auf Märkten, auf belebten Plätzen und in großen Betrieben in den Sinn. Was es braucht sind Mut und Engagement. Und breiter Support von Politik, Medien, Kultur- und Bildungseinrichtungen. Von uns älteren Semestern sowieso. Wir geben Werte weiter. Wir überliefern. Wir sind es, die unsere Kinder zur Teilhabe ermutigen sollten. Und wir sind es auch, die Integration für Menschen aus anderen Kulturkreisen aktiv mitgestalten müssen &#8211; soll diese auch wirklich gelingen. Sammeln wir also unsere letzten Kräfte, applaudieren wir wieder mit Enthusiasmus und geben wir ein Stück unserer Begeisterung weiter. Dieser so einzigartigen Begeisterung für die schönen Künste. Sie sind es jedenfalls wert, am Leben gehalten zu werden. Frei nach Oscar Wilde: <em>&#8222;Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt, der hat Kultur.&#8220;</em></p>



<p class="has-medium-font-size"></p>



<p></p>
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		<title>Der Tätowierer und die Mondprinzessin.</title>
		<link>https://www.stepout.at/der-taetowierer-und-die-mondprinzessin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Haitszinger Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2025 21:38:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Keine Sorge, das wird kein schräger Artikel. Obwohl der Titel könnte es schon vermuten lassen, das gebe ich zu. Aber dieser Titel ist ein geklauter Titel. Also von mir für den heutigen Text geklaut. Mit diesem Titel, des gleichnamigen Albums aus dem Jahr 1974, begann nämlich eine ganz besondere Reise eines ganz besonderen Künstlers. Eines [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size">Keine Sorge, das wird kein schräger Artikel. Obwohl der Titel könnte es schon vermuten lassen, das gebe ich zu. Aber dieser Titel ist ein geklauter Titel. Also von mir für den heutigen Text geklaut. Mit diesem Titel, des gleichnamigen Albums aus dem Jahr 1974, begann nämlich eine ganz besondere Reise eines ganz besonderen Künstlers. Eines von mir besonders hochgeschätzten Musikers und Liedermachers. Ich wäre fast geneigt, ihn einen Liederpoeten zu nennen. Ja, das mache ich. Georg Danzer ist ein Wiener Liederpoet. War eigentlich, weil er leider 2007 schon verstarb. Er wurde nur 60 Jahre alt. Aber das, was er uns hinterlassen hat, wird wohl alle Zeit überdauern. Und viele seiner Liedtexte und Melodien sind uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir gar nicht anders können, als mitzusummen oder mitzusingen, wenn die Klänge von <em>Hupf´ in Gatsch, Jö schau</em> oder <em>Weiße Pferde</em> aus dem Radio ertönen. Man munkelt etwas von 400 Liedern aus seiner Feder. Wikipedia arbeitet sich penibel durch sein Leben, erzählt von seinen lebensprägenden Reisen, seinen Begegnungen mit all den Größen der österreichischen Musikszene und seinem Einfluss auf den Wiener Schlager und den Austropop. Sein Werk, das sich nicht in eine einzige Schublade einordnen lässt, hat mich schon in jungen Jahren begeistert. Und inspiriert. Weil es inhaltlich so viel anzubieten hat. Zitat Wikipedia: <em>Danzers Œuvre </em>(Anm.: Gesamtwerk eines Künstlers, einer Künstlerin)<em> umfasst von Anfang an Tiefsinniges, Romantisches, Komisches und Anstößiges. </em>Und besonders sprechen mich seine Texte im Wiener Dialekt an. No na ned &#8211; schreib ich doch auch so gerne in <em>unserer Sprache</em> <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /></p>



<p class="has-medium-font-size">In Wien geboren und aufgewachsen im Meidlinger Bezirksteil Gaudenzdorf, wollte der Schurli eigentlich ursprünglich Kunst an der Akademie der bildenden Künste studieren. Glücklicherweise wurde daraus nichts. Obwohl <em>glücklicherweise</em> hier eventuell nicht ganz passend ist. Vielleicht hätte ihm das Malen persönlich ja viel mehr gegeben als das Musizieren? Wahrscheinlich hätte uns Georg Danzer auch mit seinen Bildern oder Skulpturen &#8211; oder was auch immer seine Hände geschaffen hätten &#8211; begeistert. Mein Herz hat er jedenfalls mit seiner Musik &#8211; oder besser gesagt mit seinen Texten &#8211; erobert. Wahrscheinlich hat er es auch deshalb auf unsere Wohnzimmercouch und somit auf unser Wohnzimmerbild geschafft. Für alle jene, die damit nichts anfangen können: ich habe eine Montage aus einem Foto unserer Couch mit ein paar Prominenten darauf sitzend gephotoshopped &#8211; also mit dem Computer gebastelt &#8211; und dieses etwa zwei mal ein Meter große Bild hängt nun seit ein paar Jahren bei uns zu Hause im Wohnzimmer. Einer davon ist eben der Georg Danzer. Und manchmal, wenn ich kreativen Input suche, gehe ich ins Wohnzimmer, stelle ich mich vor das Bild und frag den Schurli, was er da machen würde. Hin und wieder hilft es sogar.</p>



<p class="has-medium-font-size"><em>Danach wurde die Wahrheit selten. Denn die Menschen glaubten nur noch an das, was sie wirklich sehen konnten.<br>Ihren Kindern erzählten sie Märchen, statt ihnen die Wahrheit zu sagen. Ich aber sage dir, nur wer die Wahrheit sucht, lebt wirklich.</em> Aus &#8222;Der Tätowierer und die Mondprinzessin&#8220;.</p>



<p class="has-medium-font-size"></p>



<p></p>



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		<title>Das Rennen ist in vollem Gange.</title>
		<link>https://www.stepout.at/das-rennen-ist-im-vollen-gange/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Haitszinger Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 10:05:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#8222;ReArm Europe? 800 flockige Milliarden in die Rüstung&#8220;, &#8222;Neue Zaren braucht die Welt&#8220;, &#8222;Autokratien weltweit am Vormarsch&#8220;, &#8222;LGBTQ und Frauenrechte zurück ins Mittelalter&#8220;, &#8222;Selling &#38; fracking Greenland&#8220;, &#8222;Rechts sein ist (wieder oder immer noch) in&#8220;&#8230;Die Liste aktuell brisanter Themen ist so lange, dass ich mich sorge, noch rechtzeitig meinen Senf zu alledem abgeben zu können. [&#8230;]</p>
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<p class="has-medium-font-size">&#8222;ReArm Europe? 800 flockige Milliarden in die Rüstung&#8220;, &#8222;Neue Zaren braucht die Welt&#8220;, &#8222;Autokratien weltweit am Vormarsch&#8220;, &#8222;LGBTQ und Frauenrechte zurück ins Mittelalter&#8220;, &#8222;Selling &amp; fracking Greenland&#8220;, &#8222;Rechts sein ist (wieder oder immer noch) in&#8220;&#8230;<br>Die Liste aktuell brisanter Themen ist so lange, dass ich mich sorge, noch rechtzeitig meinen Senf zu alledem abgeben zu können. Mangels Zeit und/oder Priorisierung existieren dazu nur erste grob umrissene und unstrukturierte Wortfetzen und tanzen unablässig in meinem Kopf herum. Und man darf versichert sein, dass es sich bei diesen Tänzen keineswegs um einen langsamen Walzer oder gemütlichen Slowfox handelt &#8211; da geht schon ordentlich die Post in meinem Schädel ab, da steppt der Bär schon im Cancan-Schritt, wenn man nur die rohen Überschriften liest. Wie sollen wir das alles noch rechtzeitig packen? Wo und wann genau sind wir falsch abgebogen? Und finden wir überhaupt einen Weg zurück?</p>



<p class="has-medium-font-size">Aufgehoben ist nicht aufgeschoben, weswegen man auf die weitere Befüllung dieses Blogs mit kläglichen Vernunftsappellen auch weiterhin hoffen darf. Aber hoppla! Möglicherweise muss man sich all diesen Dingen ja gar nicht einzeln widmen. Vielleicht hängen diese Horrorbotschaften ja alle irgendwie zusammen? Eine erste Vermutung meinerseits: Was gerade passiert ist offensichtlich ein mehr als ausgefuxter Plan von Aliens, die schon darauf warten, ihr neues Zuhause beziehen zu können. Mit ihren fetten Raumschiffen umkreisen sie unseren Planeten und belustigen sich über diesen großangelegten, konzertierten Suizid unserer Rasse. Gezielt infiltrieren sie unsere Medien (und unsere Hirne) mit Fakenews, Hirngespinsten und Verschwörungstheorien. Ich greife einfach den roten Faden, der sich tapfer und konsequent durch das aktuelle Weltgeschehen zieht und versuche, mir selbst mal einen Überblick zu schaffen. Mich zurecht zu finden. Einen Versuch ist es jedenfalls wert.</p>



<p class="has-medium-font-size">Gemäß Überschrift soll es also in meiner ganz persönlichen Betrachtung heute um diesen einen, sich bereits in vollem Gang befindlichen Wettlauf gehen. Vorneweg noch kurz zu den oben erwähnten Aliens: die gibt es natürlich nicht wirklich, sie passen nur einfach ur super in diesen sarkasmuslastigen Essay.  Das in Rede stehende Rennen, von dem ich behaupten kann, dass ich es in seiner apokalyptischen Dimension bis jetzt total unterschätzt habe &#8211; grob fahrlässig könnte man fast sagen &#8211; befindet sich nicht etwa erst am Anfang. Nein, man könnte sogar sagen, es befindet sich in seiner entscheidenen Phase. Die Kontrahenten biegen sogar schon in die Zielgerade ein. Und wir alle hetzen hinterher und wollen wissen, wer das Rennen macht.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die Protagonisten des Wettkampfes &#8211; Mensch und Natur &#8211; eifern seit jeher, wer wohl als Sieger im Wettstreit um die dauerhafte Entfernung unserer Spezies von diesem Planeten hervorgehen wird. Aktuell keimt die Frage in uns auf, ob wir uns in absehbarer Zukunft durch Bomben und Granaten, Kalashnikovs, Macheten, Atomraketen oder Kampdrohnen selbst soweit dezimieren könnten, dass der Rest auf einen lupenreinen Hunger-, Strahlen- oder Seuchentod hoffen darf? Und dass es völlig egal ist, ob wir Klimaziele erreichen oder nicht. Bevor uns Naturkatastrophen dahinraffen, haben wir das längst schon selbst erledigt. Neben der völligen Abkehr von jeglicher Klimavernunft, könnten zur Beschleunigung dieses Prozesses auch noch eine Portion Menschenverachtung, Antidemokratisierung und Gesellschaftspaltung hilfreich sein. </p>



<p class="has-medium-font-size">Das aktuelle Säbelrasseln, kursierende Rüstungshysterien und lautstarkes Brüllen maskuliner Allmachtsphantasien lassen jedenfalls darauf schließen, dass der Mensch die Nase vorn hat. Mutter Natur, clever wie sie nunmal ist die smarte Lady, nimmt sich ein wenig zurück im Wettkampf und spart Kraft. Ja, sie macht es sich als Armageddon-Rivale sogar bequem, nimmt Platz in der Muppetsloge und schaut dem Trauerspiel &#8211; Verzeihung dem weiterem Rennverlauf &#8211; gelassen zu. Warum sich als unsympathischer Todesengel überschwemmend, lavaspeiend, erdrutschend, feuersbrunstend und todesstürmisch über Kontinente quälen und sich unnötigerweise seiner letzten Kräfte berauben? Gilt es doch jetzt schon, sich für das nächste Kapitel Erdgeschichte zu rüsten und Energie zu sparen, um &#8211; einmal mehr &#8211; den Neuanfang zu versuchen. Mit neuem Material. Mit neuem Elan. Mit neuer Zuversicht.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die Chancen stehen aktuell so gut wie nie, dass sich der blaue Planet die Drecksarbeit erspart &#8211; soll sich doch der Mensch die eigenen Hände bei seiner Selbstzerstörung schmutzig machen. Dass die Erde aber letztlich mit einem solchen Support von unserer Seite rechnen durfte, um diesem finalen Prozess durch bloße Dummheit zu noch mehr Wucht und Geschwindigkeit zu verhelfen, erschließt sich für mich erst seit einer wohl historischen Amtseinführung im Jänner dieses Jahres in der größten Volkswirtschaft der Welt. Rasante Kurswechsel, gänzlich konträre Aktivität in Form von einfach nicht mehr tun oder einfach nur mehr lassen und einer somit völlig neuen und eben suizidalen Agendaausrichtung, machen bis dato angedachte und grob modellierte Katastrophenszenarien in Windeseile zur raschen Realität.</p>



<p class="has-medium-font-size">Amerika, oder besser gesagt die Vereinigten Staaten, verabschieden sich gerade aus unzähligen Hilfs- und Forschungsprogrammen, welche zum überwiegenden Teil die großen Themen unserer Zeit betreffen. So werden beispielsweise aus den Etats der Medizin- und Klimaforschung in diesen Tagen Milliarden an Unterstützung abgezogen. Einfach so. Weil man es kann. Oder muss, wie man uns versucht zu verklickern, da man den Ganoven auf der anderen Seite der großen Teiche endlich mal Zähne und Mukis zeigen muss. Das alles hat natürlich fatale Folgen für die Wissenschaft und somit für die Menschheit &#8211; schließlich sind es eben blitzgescheite Menschen, die forschen und entwickeln, modellieren und berechnen. Für uns alle übrigens. Und das ganz sicher nicht umsonst. Warum auch? Forschung, Entwicklung und vor allem humanitäre Hilfe kosten Geld. Um Seuchen einzudämmen, Krankheiten zu besiegen und vielleicht auch, um Klimaziele zu erreichen. Der US-Rückzug aus der WHO, im Klartext der Weltgesundheitsorganisation &#8211; um hier nur mal rasch eines der verrückten Beispiele herauszupicken &#8211; bedeutet etwa eine Milliarde Dollar (fast ein Siebentel des Gesamtbudgets dieser wichtigen Organisation) weniger an Geld für weltweit dringend benötigte Gesundheitsmaßnahmen wie Impfprogramme, Seuchenbekämpfung und -prävention oder auch der Versorgung benachteiligter Länder und Regionen mit lebenswichtigen Medikamenten. Unter anderem bringt dies fast vergessene Schlagworte wie Aids oder Malaria plötzlich wieder ganz vorne auf die Titelblätter der Gazetten. Hatten wir doch alles schon mal ganz gut im Griff, oder?</p>



<p class="has-medium-font-size">Einigermaßen im Griff (oder zumindest die klare Vorstellung dazu) hatten wir auch bei Themen wie Menschenrechte, Gleichberechtigung, Genderfreiheit, freie und vor allem faire Marktwirtschaft. Wir hatten ein klares Bild, was die Weltordnung betrifft. Ost und West waren (geografisch wie ideologisch) eindeutig zugeordnet. Nach dem kalten Krieg war Abrüstung angesagt. Klimaziele wurden alljährlich heftig diskutiert. Zugegeben mit wenig Output und Kommitment. Und alles im Schneckentempo. Aber es wurde darüber gesprochen. Es wurde gewarnt und gemahnt. Und so war es glücklicherweise permanent am Schirm und in aller Munde, sodass die Menschheit (oder wenigstens ein Großteil davon) die Dringlichtkeit von Klimawandel und Treibhauseffekt verstanden hatte. Vernunft, Verständnis und in Ansätzen auch Aktionismus schienen sich breit zu machen. Aber jetzt?</p>



<p class="has-medium-font-size">Wir sollen uns nicht von unseren Plänen und klaren Vorstellungen abbringen lassen. Und schon gar nicht davon, was wir bis jetzt schon alles erreicht haben. Rückschritte wären keine gute Alternative. Im Zweifel könnten wir ja ein Gebet gen Himmel schicken. Noch einfacher wäre es aber, sich einfach wieder mal die <strong>Agenda 2030 der Vereinten Nationen</strong> in Erinnung zu rufen. Darin sind die 17 großen Ziele der Menschheit zum Schutz unseres Planetens &#8211; die berühmten SDGs (Sustainable Devolpment Goals) &#8211; klar definiert. Die beschriebenen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung betreffen unter anderem die Bereiche Friedenssicherung, Klimaschutz, Menschenwürde, Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung sowie auch Partnerschaften und Synergien zur Erreichung dieser Ziele. </p>



<p class="has-medium-font-size">Und freilich wird zuguterletzt dann doch irgendwann mal Mutter Natur den finalen Sieg einfahren. Dann betrifft es zwar längst nicht mehr den Menschen, der sich als letzte organische Substanz noch auf unserem Planeten herumtreibt. Aber halt doch noch irgendetwas, das lebt. Der Plan der Sonne wird dem Leben auf der Erde in drei bis spätestens sechs Milliarden Jahren (am Datum scheiden sich ebenfalls die großen Geister, aber sowieso vollkommen Blunzen für uns) einen letzten Strich durch die Rechnung machen. Wasserstoff und Helium, 15 Millionen Grad Celsius und ein enormer Druck im Inneren sind schließlich nicht ewig zu stemmen. Diesem Kochtopf hebt es dann irgendwann mal den Deckel und dann wird es in unserem Sonnensystem so richtig kuschelig warm. Zu warm jedenfalls für alles Leben auf den Planeten. Die Details dieser gewaltigen Eruption erspare ich uns hier. Einfach mal nachlesen in wirklich guten Quellen, die nicht mit derart gefährlichem Halbwissen herumwerfen wie ich. Aber, dass es aus sein wird, ist fix. Diese totale Endlichkeit von allem ist schon ein wenig spooky, finde ich. Das bedeutet aber, um auf unser Rennen zurückzukommen, dass Gold dann doch irgendwann an Mother Nature geht. </p>



<p class="has-medium-font-size">Bis dahin wünsche ich uns allen noch viel Spaß am Leben und vielleicht geht sich bei dem einen oder anderen ja doch noch ein wenig mehr Vernunft aus. Und weil hier gerade von dem anderen die Rede ist, springt mir spontan noch folgende Textpassage eines Pink-Songs auf meine Lippen&#8230;</p>



<p class="has-medium-font-size"><em>Sehr geehrter Herr Präsident<br>Komm, mach einen Spaziergang mit mir<br>Lass uns so tun, als ob wir zwei normale Leute wären und<br>du nicht besser als ich wärst<br>Ich würde dir gerne ein paar Fragen stellen<br>wenn wir ehrlich miteinander sprechen können</em></p>



<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mit Astrid Lindgren im Wohnzimmer.</title>
		<link>https://www.stepout.at/mit-astrid-lindgren-im-wohnzimmer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Haitszinger Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 14:44:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus einer Photoshopspielerei wurde ein etwa zwei mal ein Meter großes Bild, das ich &#8222;Guess who´s coming to dinner?&#8220; nannte und das nun seit Jahren bei uns zu Hause hängt. Es zeigt einen kleinen Ausschnitt unseres Wohnzimmers, wo ein paar Menschen auf unserer Couch sitzen und freudig in die Kamera lächeln. Eine Reise durch Raum [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size">Aus einer Photoshopspielerei wurde ein etwa zwei mal ein Meter großes Bild, das ich <em>&#8222;Guess who´s coming to dinner?&#8220;</em> nannte und das nun seit Jahren bei uns zu Hause hängt. Es zeigt einen kleinen Ausschnitt unseres Wohnzimmers, wo ein paar Menschen auf unserer Couch sitzen und freudig in die Kamera lächeln. Eine Reise durch Raum und Zeit machte es möglich, Georg Danzer, Astrid Lindgren, Marie Curie, Anne Frank und Michail Gorbatschow auf unsere Couch zu bitten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass nur die Kunst alleine diese Fähigkeit besitzt &#8211; abgesehen vielleicht von Harry Potters mächtigem Zauberinstrument &#8211; seinem Elderstab. Aber den hatte ich gerade nicht zur Hand.</p>



<p class="has-medium-font-size">Wer sich nun nach eingehender Ausführung und Erklärung sehnt, was mich zu diesem äußerst außergwöhnlichen Personenmix animierte, dem sei versprochen, dass ich dies in einem späteren Beitrag zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch ausgiebig vertiefen werde. Heute möchte ich den Blick aber auf eine Frau lenken, die sich als verdiente Kinderbuchautorin ihren Eintrag in die Geschichtsbücher der Menschheit sowie einen Platz in jenem elitären Zirkel auf unserer Wohnzimmercouch mehr als verdient hat. Der Schöpferin von Pippi Langstrumpf, Kalle Blomkvist und Ronja, der Räubertochter &#8211; Astrid Lindgren. Beim bloßen Lesen dieser Worte ist wahrscheinlich nicht zu merken, mit welcher Ehrfurcht ich ihren Namen in diesen Beitrag tippe.</p>



<p class="has-medium-font-size">Astrid Anna Emilia Lindgren, die 1907 auf einem Bauernhof in der Nähe von Vimmerby in Südschweden das Licht der Welt erblickte, schrieb aber nicht nur Kinderbücher für die Ewigkeit, sondern widmete sich beispielsweise in ihrem Werk <em>Krigsdagböcker </em>ihren Tagebucheinträgen, die während des Zweiten Weltkrieges entstanden. Auch der Titel der deutschen Übersetzung ist für mich eine Punktlandung: <em>Die Menschheit hat den Verstand verloren</em>. Sechs Worte, welche die Brutalität dieser Zeit, das Ausmaß des menschlichen Leides und die gleichzeitige Ohnmacht der Zeitzeugen wohl kaum besser beschreiben könnten. Akribisch widmet sich Lindgren ihren Einträgen von 1939 bis 1945 und beschäftigt sich mit dem systematischen Niedergang Europas unter der Geißel von Faschismus und Rassismus und der Rolle ihrer Heimat in diesem so sinnlosen Konflikt. Ich empfehle, es zu lesen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Dieses Werk war sicherlich mitentscheidend, dass es Astrid Lindgren auf meine Couch geschafft hat. Ja, sie war mit ihren Kinderbüchern ein fixer Bestandteil unserer allabendlichen Kinderzimmer-Vorlesesessions. Und ja, unsere Kids durften auch die verfilmten Versionen ihrer Helden- und Heldinnen-Geschichten am TV-Bildschirm verfolgen. Was mich aber stets begeistert hat, ist, dass diese Frau nicht irgendwann aus Publicity-Gründen oder selbstgefälliger Eigeninszenierung heraus, auch einmal ihren Senf über diese schreckliche Zeit abgeben musste, um eine von vielen ihrer Zunft zu werden. Für dieses Buch kramt sie in echten Tagenbüchern, die in Echtzeit und mitten im Geschehen entstanden sind und ihre Gefühle, Ängste und ihre Bestürzung wiedergeben. Nichts wurde nachträglich aufgefettet oder zusätzlich emotional aufgeladen. Das, was da mitgeschrieben wurde, reicht vollkommen aus, um uns jedes Mal, wenn wir das Buch zur Hand nehmen, nochmals genau dorthin zurückzuführen &#8211; zur völligen Verstandlosigkeit der Menschheit. Das Traurige daran ist, dass es scheint, die Menschheit hätte ihren Verstand seither nicht wieder gefunden. Detaillierte Infos, wo es aktuell gerade überall an Verstand mangelt, holt euch doch bitte einfach aus den Tagesmedien eures Vertrauens. Ganz egal, ob ihr lest, hört oder schaut &#8211; ihr werden sicherlich gleich fündig werden. Versprochen!</p>



<p class="has-medium-font-size">Was ihr dazu aber bitte braucht, ist a) viel Zeit ob der Fülle an Gruselbotschaften aus Ost, West und allen sonstigen Himmelsrichtungen, b) etwas im Magen, sodass es euch selbigen nicht sofort nach den ersten Zeilen umdreht und c) vor allem Zeit zum Nachdenken, was jeder und jede Einzelne von uns gerade jetzt an Verstandesjustierung einbringen könnte. Ich bin sicher, ohne hier einen moralischen Tu-tu-tu Zeigefinger zu schwingen, dass uns allen da doch gleich das eine oder andere einfällt. Mhh?</p>



<p class="has-medium-font-size">Neben vielen Preisen und Auszeichnungen erhielt Astrid Lindgren für <em>&#8222;ihre einmalige schriftstellerische Tätigkeit, die sie den Rechten der Kinder und dem Respekt für ihre Individualität widmete“</em> am 9. Dezember 1994 im Parlament in Stockholm übrigens den Ehrenpreis des <em>Right Livelihood Award</em>, auch als alternativer Nobelpreis bekannt. Sie widmete ihr Leben der grenzenlosen Beflügelung, Inspiration und Förderung des kindlich-jugendlichen Geistes. Dazu waren weder Macht, Geld noch Politik vonnöten &#8211; ihre Feder, ihre Liebe und ihre Lust am Erfinden und Erzählen phantasievoller, gewalt- und angstfreier Geschichten reichten hierzu völlig aus:<br><em>&#8222;Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.&#8220;</em></p>



<p class="has-medium-font-size">Und vielleicht lässt uns die Liebe ja auch wieder unseren Verstand finden. Wer weiß?</p>



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		<title>Pseudonym der Ehre.</title>
		<link>https://www.stepout.at/anton-schreibt-pseudonym-der-ehre/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Haitszinger Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Feb 2025 15:08:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Um die Verwirrung endgültig auf die Spitze zu treiben, gesellt sich zum Anglizismus stepout, der startseitlich auf dieser Website seine ausführliche Erklärung findet, nun auch noch ein gewisser Anton. Ein Anton, der noch dazu schreibt. Wer ist das und was schreibt er? Und wo kommt er auf einmal her? Nun, die Frage ist einfach zu [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size">Um die Verwirrung endgültig auf die Spitze zu treiben, gesellt sich zum Anglizismus <em>stepout</em>, der startseitlich auf dieser Website seine ausführliche Erklärung findet, nun auch noch ein gewisser Anton. Ein Anton, der noch dazu schreibt. Wer ist das und was schreibt er? Und wo kommt er auf einmal her? Nun, die Frage ist einfach zu beantworten. Anton kommt nicht einfach irgendwo her, er war immer schon da. Er ist ein Teil von mir und meiner Familie. Und das nicht zuletzt deshalb, weil es mein zweiter Vorname ist. Es ist aber auch (oder in erster Linie) der Name meines, leider viel zu früh verstorbenen Papas.</p>



<p class="has-medium-font-size">Wir schreiben den 24. Mai 1999. Venezuela tritt dem Antarktisvertragssystem bei und der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag erhebt Anklage gegen den Präsidenten der Republik Serbien, Milan Milutinović, wegen Verfolgung der Kosovo-albanischen Zivilbevölkerung. Die Welt strebt der Jahrtausendwende entgegen. Manche fürchten einen kompletten Ausfall aller elektronischer Systeme, wenn der letzte Sekundenschlag das neue Millenium einläuten wird. Die meisten aber freuen sich auf ein spannendes neues Zeitalter, mit vielen Herausforderungen und Abenteuern für die Menschheit. Nicht alle sollten es erleben.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, im Wiener Jargon immer liebevoll die <em>Hohe Warte</em> genannt, beschreibt das Wetter an diesem Frühlingstag als <em>sonnig und trocken</em>. Ein Wetter, das sich ideal zum Rasenmähen anbietet. Und das tut er dann auch, der Anton Haitszinger. In gewohnter Manier zieht er Linie für Linie durch seinen langgestreckten Garten. Seinen geliebten, langgestreckten Garten. Das Gerät rattert durchs knöchelhohe Grün. In der Luft verbreitet sich eine Duftmelange aus Benzin und frisch gemähtem Gras. Ohne auch nur einen einzigen Zweifel daran zu hegen, behaupte ich hier, dass er in diesem Moment glücklich und zufrieden war. Weil er das einfach immer war, wenn er Zeit in seinem Garten verbrachte und vor allem, wenn er seine Familie um sich hatte. Nach getaner Arbeit stellte er seinen Mäher ab, um nur wenige Augenblicke später für immer seine Augen zu schließen. Hinterwandinfarkt. Angeblich keine Überlebens- oder Reanimierungschance. Alle tapferen Versuche, ihn am Leben zu halten oder dorthin zurück zu holen, scheiterten. Der Vorteil der ruhigen und etwas entfernten Lage unseres (zumindest bis zu diesem Tage noch achso) geliebten Stückchen Gründlandes zwischen Jedlersdorf und Strebersdorf, sollte sich auch für die zu Hilfe gerufenen Einsatzkräfte als zeitraubende und schwierige Ortungsaufgabe herausstellen. Alles in allem keine guten Vorzeichen, um dem Rufe des lieben Gottes an diesem warmen Maitag zu entkommen. Mein Schwager, der meinen Papa im Fallen noch stützen wollte &#8211; und wohl der aktivste und engagierteste Ersthelfer war &#8211; meinte, dass er noch so etwas wie einen leichten Händedruck verspürte und, dass Sanftheit in seinem Blick lag. „Ich trau auf deine Hand, daß sie mich wohl behüte.&#8220;</p>



<p class="has-medium-font-size">Ich selbst war nicht da. Erst einige Zeit später, kurz bevor man ihn holte, war ich mit meiner Frau vor Ort. Wir sahen ihn unter diesem weißen Leinentuch liegen. Alle waren fassungslos. Sprachlos. Orientierungslos. Keiner wusste, was hier geschehen war. Wie sollte es weitergehen? Ohne ihn, dem Familienoberhaupt. Dem Ehemann. Dem Vater. Dem Opa. Dem Richtungsweiser. Ohne den, der Rat auf alles wusste, der immer für alle da war, der alles richten konnte. Er war unser Fels in der Brandung. Und jetzt war er tot. Für immer weg. Ich blickte mich um und sah nur Angst und Verzweiflung. Bestürzung und Ohnmacht. Viele von uns haben diesen Schock bis heute nicht überwunden. Und auch bei mir vergeht fast drei Jahrzehnte danach kaum ein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. Wie auch, sehe ich ihn doch jeden Tag im Spiegel. Höre ich jedes Mal seine Stimme wenn ich spreche. Viel zu ähnlich sind wir uns, um ihn aus meinem Kopf zu kriegen. Haare, Gestik, Mimik, Humor – alles nahezu deckungsgleich. Was uns aber wirklich eint, ist unser Familiensinn. Die Art und Weise wie wir Familie leben und verstehen. Die Suche nach dem Sinn des Lebens war in unserer Familie nicht einmal ansatzweise Thema. Zu klar war, dass die Liebe der Familie als unerschütterlicher Grundstein und wichtige Basis für alles galt. Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich Vieles von seinem Wesen und seinen Werten eins zu eins in meiner DNA wiederfindet. Und das ist gut so.</p>



<p class="has-medium-font-size">Seine vielen Geschichten, mit denen wir Kinder aufwachsen durften, haben unser Leben geprägt und uns alle auf den richtigen Weg geführt. Obwohl wir nicht viel hatten, mangelte es uns an nichts. Dafür sorgte er. Alles was in seiner Jugend, weil Zeit und vor allem Geld fehlten, an Bildung nicht möglich war, machte er mit Intelligenz wett. Wie kein Zweiter erfasste er komplexe Sachverhalte sofort, interessierte sich für politische und wirtschaftliche Zusammenhänge und agierte immer mit Vernunft und Hausverstand. Er war stark wie ein Büffel, was uns zudem immer die so notwendige Sicherheit und Geborgenheit gab. Gleichzeitig war er einfühlsam und sensibel. Als mein Bruder einmal in Ungarn in einen schweren Autounfall verwickelt war und mein Papa, weil sein Reisepass abgelaufen war, nicht über die Grenze durfte, musste ich – als achtzehnjähriger Führerscheinneuling – alleine mit meiner Mutter weiterfahren. Sein trauriges Gesicht, das ich immer noch in diesem Rückspiegel sehe, während wir losfuhren, werde ich niemals in meinem Leben vergessen. All der Schmerz, der ihn in dieser Sekunde quälte, nicht zu seinem Kind zu dürfen und ihm helfen zu können, lag in diesem verzweifelten Blick. Und die Tränen, die jetzt gerade auf meine Tastatur tropfen, zeigen mir, dass dieser Moment immer noch so lebendig und gegenwärtig ist, als wäre es gestern gewesen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Als eine Art <em>Pseudonym der Ehre</em> sehe ich es heute an, unter <em>anton.schreibt</em> schreiben zu dürfen. Und in jeder Zeile, die ich heute zu all den Themen, die mir wichtig sind, die mich beschäftigen und antreiben, schreiben darf, schwingen jedenfalls Respekt und Dankbarkeit meinem Papa gegenüber mit. Es ist schön, ihn auf diese Weise in meinem und den Herzen meiner Familie lebendig zu halten. Und man darf versichert sein, dass in jedem einzelnen Wort auch seine Handschrift zu finden ist.</p>



<p class="has-medium-font-size">Annette von Droste-Hülshoff, die ebenfalls an einem 24. Mai verstarb, schrieb:<br>„Ich trau auf deine Hand, daß sie mich wohl behüte, weil alle deine Güte, und Liebe mir bekannt,<br>und daß ein sich´rer Hort das Unheil von mir wende. O Herr, in deine Hände! Dies sei mein letztes Wort.“</p>
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